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Der perfekte Haushalt aus Papier

24. September 2015 bis 10. Jänner 2016
Plakat "Der perfekte Haushalt aus Papier"
Der perfekte Haushalt aus Papier. Bürgerlicher Alltag zur Zeit Mozarts

Im Zentrum der Ausstellung „Der perfekte Haushalt aus Papier. Bürgerlicher Alltag zur Zeit Mozarts“ steht ein kulturhistorischer Schatz: Das „Augsburger Klebealbum“, ein minutiös eingerichtetes „Spielzeughaus“ in Buchform.

Klebealben waren eine zweidimensionale Alternative zum Puppenhaus und besonders im 18. Jahrhundert eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Die vorerst leeren Seiten eines solchen Albums wurden zunächst selbst gestaltet: Mit Feder, Aquarell und Gouache entstanden die Gerüste von Innenräumen, Gärten und Straßenzügen. Zur Belebung der Plätze und Räume dienten Miniatur-Darstellungen von Figuren und Objekten. Diese wurden auf Ausschneidebögen gedruckt, und von den Besitzern der Klebealben dann einzeln ausgeschnitten, koloriert und ins Buch geklebt. Es gab Bögen mit Natur- und Landschaftsmotiven, Tieren, biblischen Szenen, Kinderspielen, Möbeln, Küchenutensilien usw.

Die Benutzer statteten die Räume auch nach eigenem Geschmack aus: Sie klebten Vorhänge aus echtem Stoff vor die Fenster, Kleisterpapier auf die Böden oder Brokatpapier als Tapeten an die Wände. Jedes Album war damit ein individuell angefertigtes Einzelstück und nach Fertigstellung ein opulenter, farbenprächtiger Band.

Für die heutigen Betrachter bietet ein Klebealbum eine Fülle an Entdeckungen: Mode, Wohn- und Esskultur, Küchenausstattung und Familienleben lassen sich detailreich nachvollziehen. 

Augsburger Klebealbum
Das ausgestellte „Augsburger Klebealbum“ entstand zwischen 1780 und 1786 und wurde für Regina Barbara Walther (1754–1834) angelegt. Es zeigt das großbürgerliche Haus ihres Vaters Johann Georg Walther (gest. 1787) am Annaplatz in Augsburg. 
Von den ursprünglich 24 Seiten sind heute noch 19 im Original erhalten. Diese wurden auf Doppelseiten affichiert und werden im Hofmobiliendepot durch mehr als 160 Exponate ergänzt. Alle diese dreidimensionalen Stücke in realer Größe, vom Kleinmöbel über Geschirr und Bilder bis zu Alltagsgegenständen, sind en miniature so oder ähnlich im Album abgebildet und ermöglichen in Kombination mit den Buchseiten eine lebendige und anschauliche Begegnung mit einem „perfekten Haushalt“ des ausgehenden 18. Jahrhunderts.
Für die Designgeschichte ist das „Augsburger Klebealbum“ ein Glücksfall: Bis zu seinem Auftauchen gab es in der Kunstgeschichte keinen auch nur annähernd so vollständigen Einblick in die regionale Raum- und Handwerkskunst des süddeutschen Raumes. 

Kuratorin: Regina Kaltenbrunner
Wissenschaftliche Leitung: Ilsebill Barta

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